von Boxer-Dieter
Nach den hitzigen Debatten um die von Jan Philipp Reemtsma initiierte Ausstellung Verbrechen der Wehrmacht wurde von verschiedenen Seiten gefordert, an die Opfer des deutschen Vernichtungskrieges im Osten durch eine Dokumentationsausstellung zu erinnern. Dass es hier um die zahlenmäßig größte der vom Nationalsozialismus verfolgten Opfergruppe geht, ist im öffentlichen Bewusstsein noch längst nicht verankert. Ein idealer Ort wäre gegenüber dem Sowjetischen Ehrenmal an der Straße des 17. Juni in einem zu errichtenden Neubau angebracht.
Das erste Sowjetische Ehrenmal - am 11. November 1945 eingeweiht - hatte schon durch die Wahl des Standortes hohe symbolische Bedeutung. Die frühere Charlottenburger Chaussee war in den Speerschen Planungen für die Welthauptstadt Germania die Ost-West-Achse; die in Teilen realisierte Siegesallee die Nord-Süd-Achse. Genau am Kreuzungspunkt riegelten die sowjetischen Sieger mit dem Ehrenmal beide Achsen absichtsvoll ab, auch als Zeichen des Sieges über das NS-Regime.
Die Anlage wurde im Wesentlichen von den Bildhauern Lew Kerbel und Wladimir E. Zigal entworfen. Granitquader und Marmorblöcke der Kollonadenanlage sollen aus Hitlers zerstörter Reichskanzlei stammen. Von 1970 bis 1987 wurde der Vorbereich nach einem rechtsextremistischen Anschlag auf einen sowjetischen Ehrenposten gesperrt.
Zentrale Berliner Gedenkstätte für die bei den letzten Kämpfen in und um Berlin gefallenen Angehörigen der Roten Armee ist das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park. Zugleich ist diese Anlage wie auch die Ehrenmale am 17. Juni und im Volkspark Schönholzer Heide (Pankow) ein Ehrenfriedhof für die mehr als 20.000 gefallenen Sowjetsoldaten. Im Treptower Park steht auf einem Rundbau eine 11 Meter hohe Bronzeskulptur, die einen Sowjetsoldaten mit gesenktem Schwert und einem Kind auf dem Arm zeigt. Ursprünglich als Symbolfigur angelegt, suchte man eine reale Person und ein tatsächliches Ereignis für die Darstellung. Eine solche verbürgte Figur wurde in Nikokaj Massalow gefunden, einem Sergeanten der Roten Armee, der am 30. April 1945 im Kampf um Berlin ein dreijähriges deutsches Mädchen rettete. 1965 wurde Massalow zum Ehrenbürger von Ost-Berlin ernannt und 2003 durch eine Gedenktafel am historischen Ort - der Potsdamer Brücke gegenüber der Neuen Nationalgalerie - geehrt.